Privat­insolvenz: Erbe nicht angegeben - welche Folgen drohen Ihnen?

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Das Wichtigste in Kürze

Wenn während einer laufenden Privatinsolvenz ein Erbe nicht angegeben wird, kann das für Betroffene gravierende Folgen haben, bis hin zum Verlust der angestrebten Restschuldbefreiung. Viele Schuldner wissen nicht, dass sie eine Erbschaft auch dann melden müssen, wenn sie diese ausschlagen oder das geerbte Vermögen gering ist. Als Kanzlei für Insolvenzrecht in Saarbrücken prüfen wir für Sie, welche Meldepflichten in Ihrer konkreten Verfahrensphase bestehen und wie Sie eine bereits unterlassene Angabe rechtssicher nachholen können.

Was passiert, wenn Sie während der laufenden Privatinsolvenz erben?

Solange das eigentliche Insolvenzverfahren noch läuft, erfasst es nach § 35 InsO das gesamte Vermögen, das Ihnen zu diesem Zeitpunkt gehört oder das Sie während des Verfahrens erlangen. Das schließt eine Erbschaft vollständig mit ein. Nehmen Sie das Erbe an, fällt es damit automatisch in die Insolvenzmasse, und der Insolvenzverwalter darf darüber verfügen, um die Gläubiger zu befriedigen. Bei einem Geldbetrag wird dieser direkt zur Schuldentilgung verwendet, bei Sachwerten oder Immobilien veräußert der Insolvenzverwalter diese zunächst. Ist die Erbschaft umfangreich genug, um sämtliche Forderungen zu decken, kann dies sogar zu einer frühzeitigen Beendigung des Verfahrens führen.

Fällt die Erbschaft in die Wohlverhaltensphase, gilt etwas anderes

Ist das eigentliche Insolvenzverfahren bereits beendet und befinden Sie sich nur noch in der Zeit zwischen Verfahrensende und dem Ende der Abtretungsfrist, gilt eine andere Regel. Nach § 295 Abs. 1 Nr. 2 InsO müssen Sie ein während dieser Zeit erlangtes Vermögen aus einer Erbschaft nur zur Hälfte des Wertes an den Treuhänder herausgeben. Die andere Hälfte dürfen Sie behalten. Die entscheidende Zäsur für die Frage, ob eine Erbschaft vollständig oder nur zur Hälfte herauszugeben ist, ist damit der Zeitpunkt der Verfahrensbeendigung. Unabhängig davon, in welcher Phase Sie sich befinden, besteht die Meldepflicht gegenüber Gericht, Verwalter oder Treuhänder in jedem Fall.

Müssen Sie eine Erbschaft während der Privatinsolvenz überhaupt annehmen?

Nein. Nach § 83 Abs. 1 InsO steht die Entscheidung über Annahme oder Ausschlagung einer Erbschaft oder eines Vermächtnisses ausschließlich Ihnen als Schuldner zu, auch wenn die Erbschaft vor oder während des Insolvenzverfahrens anfällt. Weder das Insolvenzgericht noch der Insolvenzverwalter können Sie zur Annahme zwingen. Erben gilt als höchstpersönliche Entscheidung, in die von außen nicht eingegriffen werden darf. Eine Ausschlagung darf zudem nicht dazu führen, dass Ihnen die Restschuldbefreiung versagt wird, allein weil Sie von diesem Recht Gebrauch gemacht haben. Wichtig ist jedoch: Das Recht zur Ausschlagung entbindet Sie nicht von der Pflicht, die Erbschaft überhaupt erst offenzulegen, damit Gericht und Verwalter die Sachlage prüfen können.

Welche Meldepflichten haben Sie als Schuldner konkret?

Während des laufenden Insolvenzverfahrens sind Sie nach § 97 Abs. 1 InsO verpflichtet, dem Insolvenzgericht, dem Insolvenzverwalter und dem Gläubigerausschuss über alle das Verfahren betreffenden Verhältnisse Auskunft zu geben, wozu auch ein Erbschaftsanfall zählt. Nach § 97 Abs. 2 InsO müssen Sie den Verwalter zudem aktiv bei der Erfüllung seiner Aufgaben unterstützen. In der anschließenden Wohlverhaltensphase greift § 295 Abs. 1 Nr. 3 InsO: Sie dürfen kein von der Herausgabepflicht erfasstes Vermögen verheimlichen und müssen dem Gericht und dem Treuhänder auf Verlangen Auskunft über Ihr Vermögen erteilen. Diese Auskunftspflicht besteht unabhängig davon, ob Sie das Erbe später annehmen oder ausschlagen.

Was bedeutet es rechtlich, ein Erbe nicht anzugeben?

Wird eine Erbschaft dem Gericht, dem Insolvenzverwalter oder dem Treuhänder nicht mitgeteilt, handelt es sich um eine Verletzung der Auskunfts- beziehungsweise Mitwirkungspflicht beziehungsweise, in der Wohlverhaltensphase, um ein Verheimlichen von Vermögen im Sinne des § 295 Abs. 1 Nr. 3 InsO. Das gilt unabhängig davon, ob die Erbschaft am Ende angenommen oder ausgeschlagen wird. Entscheidend ist allein, dass der Anfall der Erbschaft als solcher nicht offengelegt wurde. Auch eine unvollständige Angabe, bei der einzelne Vermögenswerte bewusst weggelassen werden, obwohl der Rest der Erklärung vollständig wirkt, wird von der Rechtsprechung als Pflichtverletzung gewertet.

Welche Folgen hat es, wenn Sie ein Erbe nicht angegeben haben?

Läuft das Insolvenzverfahren noch, kann eine vorsätzlich oder grob fahrlässig unrichtige oder unvollständige Angabe im Vermögensverzeichnis dazu führen, dass Ihnen nach § 290 Abs. 1 Nr. 6 InsO auf Antrag eines Gläubigers die Restschuldbefreiung von vornherein versagt wird. Befinden Sie sich bereits in der Wohlverhaltensphase, kann ein Insolvenzgläubiger nach § 296 Abs. 1 InsO die Versagung beantragen, wenn Sie eine Obliegenheit wie die Meldepflicht verletzt und dadurch die Gläubigerbefriedigung beeinträchtigt haben. Wurde Ihnen die Restschuldbefreiung bereits erteilt, kann sie unter den Voraussetzungen des § 303 Abs. 1 Nr. 1 InsO sogar nachträglich widerrufen werden, wenn sich herausstellt, dass Sie eine Obliegenheit vorsätzlich verletzt und die Gläubiger dadurch erheblich benachteiligt haben. Der Gläubiger muss den Antrag dafür innerhalb eines Jahres nach Rechtskraft der Entscheidung stellen und glaubhaft machen, dass er erst danach von dem Verstoß erfahren hat. In besonders gravierenden Fällen, etwa bei bewusst falschen Angaben gegenüber dem Gericht, kommen zudem strafrechtliche Konsequenzen in Betracht, etwa wegen Bankrotts nach den §§ 283 ff. StGB.

Gilt die Meldepflicht auch, wenn Sie das Erbe ausgeschlagen haben?

Ja. Auch eine ausgeschlagene Erbschaft sollten Sie dem Insolvenzverwalter oder Treuhänder mitteilen. Zwar dürfen Sie das Erbe wirksam ausschlagen, ohne dass dies Ihnen zum Nachteil gereicht. Verschweigen Sie den Erbfall aber vollständig, kann später der Eindruck entstehen, Sie hätten Vermögen verheimlicht, selbst wenn die Ausschlagung an sich rechtmäßig war. Um jeden Zweifel an der Vollständigkeit Ihrer Angaben auszuschließen, ist es daher ratsam, sowohl den Erbfall als auch die Entscheidung zur Ausschlagung aktenkundig zu machen.

Was sollten Sie tun, wenn Sie ein Erbe bislang nicht angegeben haben?

Wenn Sie eine Erbschaft bisher nicht gemeldet haben, sollten Sie dies möglichst zeitnah nachholen, bevor ein Gläubiger oder der Treuhänder selbst darauf aufmerksam wird. Je früher Sie die Angabe von sich aus nachreichen, desto eher lässt sich argumentieren, dass keine vorsätzliche Verheimlichung vorlag, sondern etwa Unwissenheit über die konkrete Meldepflicht. Sammeln Sie zunächst alle Unterlagen zum Erbfall, etwa den Erbschein oder das Nachlassverzeichnis, und dokumentieren Sie, wann Sie von der Erbschaft erfahren haben. Kontaktieren Sie anschließend den zuständigen Insolvenzverwalter oder Treuhänder und legen Sie den Sachverhalt vollständig offen. Eine rechtliche Beratung vor diesem Schritt hilft Ihnen einzuschätzen, welche Konsequenzen im Einzelfall drohen und wie sich diese möglichst gering halten lassen.

Kann eine erteilte Restschuldbefreiung wegen einer verschwiegenen Erbschaft widerrufen werden?

Ja, das ist möglich. Nach § 303 Abs. 1 Nr. 1 InsO widerruft das Insolvenzgericht die Restschuldbefreiung auf Antrag eines Insolvenzgläubigers, wenn sich nachträglich herausstellt, dass Sie eine Obliegenheit vorsätzlich verletzt und dadurch die Befriedigung der Gläubiger erheblich beeinträchtigt haben. Der Antrag muss innerhalb eines Jahres nach Rechtskraft der Entscheidung über die Restschuldbefreiung gestellt werden. Der Gläubiger muss dabei glaubhaft machen, dass er von der verschwiegenen Erbschaft erst nach Rechtskraft der Entscheidung erfahren hat. Gerade deshalb ist es wichtig, eine unterlassene Angabe möglichst frühzeitig zu korrigieren, solange das Verfahren noch läuft.

Fazit

Ein während der Privatinsolvenz anfallendes Erbe müssen Sie in jedem Fall offenlegen, unabhängig davon, ob Sie es annehmen oder ausschlagen. Wird ein Erbe nicht angegeben, riskieren Sie die Versagung oder sogar den nachträglichen Widerruf der Restschuldbefreiung. Haben Sie eine Erbschaft bislang nicht gemeldet, sollten Sie dies zeitnah nachholen und sich dabei rechtlich begleiten lassen. Wir prüfen für Sie, welche Meldepflichten in Ihrer Verfahrensphase bestehen und wie Sie eine unterlassene Angabe rechtssicher nachreichen. Rufen Sie uns an oder nutzen Sie unser Kontaktformular.

Häufig gestellte Fragen zur nicht an­gegebenen Erbschaft in der Privat­insolvenz

Muss ich jede Erbschaft während der Privat­insolvenz melden, auch kleine Beträge?

Ja, die Meldepflicht gilt unabhängig von der Höhe des Erbes. Auch geringe Vermögenswerte müssen offengelegt werden.

Nein. Ein nicht gemeldetes Erbe bleibt Teil der Insolvenzmasse beziehungsweise unterliegt der Herausgabepflicht, unabhängig davon, ob Sie es angeben oder nicht.

Während des Insolvenzverfahrens gegenüber dem Insolvenzgericht und dem Insolvenzverwalter, in der Wohlverhaltensphase gegenüber dem Treuhänder und dem Gericht.

Auch die Ausschlagung sollte dem Verwalter oder Treuhänder mitgeteilt werden, um jeden Verdacht der Verheimlichung auszuschließen.

Melden Sie von sich aus und zeitnah nach, sinkt das Risiko einer Versagung deutlich, eine Garantie gibt es aber nicht.

Dann kann er einen Antrag auf Versagung oder, nach bereits erteilter Restschuldbefreiung, auf Widerruf stellen.

In gravierenden Fällen vorsätzlicher Vermögensverschleierung kommen Insolvenzstraftaten nach den §§ 283 ff. StGB in Betracht.

Ein Gläubiger kann den Widerruf innerhalb eines Jahres nach Rechtskraft der Entscheidung über die Restschuldbefreiung beantragen.

Ja, die Meldepflicht erfasst jeden Vermögenserwerb von Todes wegen, also auch Vermächtnisse.

Lassen Sie den konkreten Sachverhalt rechtlich prüfen, bevor Sie handeln, um weder eine Meldepflicht zu verletzen noch unnötig Vermögen herauszugeben.

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