Restschuldbefreiung: Wann kommt der Bescheid?

Lesedauer: 3 Minuten
Restschuldbefreiung: Wann kommt der Bescheid?

Das Wichtigste in Kürze

Drei Jahre lang haben Sie pfändbares Einkommen abgetreten, Ihre Obliegenheiten erfüllt und auf ein Ziel hingearbeitet: die Schuldenfreiheit. Und dann? Die Frist ist abgelaufen, aber im Briefkasten liegt nichts. Wer in dieser Lage fragt, wann der Bescheid zur Restschuldbefreiung kommt, ist nicht allein.

Beschluss statt Bescheid: Was das Gericht tatsächlich erlässt

Umgangssprachlich ist häufig vom „Bescheid“ die Rede. Juristisch korrekt handelt es sich um einen Beschluss des Insolvenzgerichts, also des zuständigen Amtsgerichts. Nach § 300 InsO entscheidet das Gericht nach dem regulären Ablauf der Abtretungsfrist über die Erteilung der Restschuldbefreiung. Sie müssen dafür in aller Regel keinen weiteren Antrag stellen – Ihr ursprünglicher Antrag auf Restschuldbefreiung, den Sie zu Beginn des Verfahrens gestellt haben, genügt.

Wann endet die Abtretungsfrist?

Die Abtretungsfrist beträgt nach § 287 Abs. 2 InsO drei Jahre ab Eröffnung des Insolvenzverfahrens. Das gilt für Verfahren, die seit dem 1. Oktober 2020 beantragt wurden. Für ältere Verfahren gibt es gestaffelte Übergangsregelungen, und wer bereits früher eine Restschuldbefreiung erhalten hat, muss in einem Folgeverfahren mit einer längeren Frist rechnen. Welche Frist für Sie gilt, ergibt sich aus Ihrem Eröffnungsbeschluss und dem Datum Ihres Antrags.

Mit dem Fristende endet die Abtretung Ihrer pfändbaren Bezüge an den Treuhänder. Erst jetzt beginnt der Teil des Verfahrens, auf den Sie keinen direkten Einfluss mehr haben: die gerichtliche Entscheidung.

Der Ablauf nach Fristende im Überblick

Schritt Was geschieht
1. Fristende Die Abtretungsfrist läuft ab. Der Treuhänder informiert das Gericht in der Regel über den Stand des Verfahrens.
2. Anhörung Das Gericht hört Insolvenzgläubiger, Treuhänder und Sie an. Meist geschieht das schriftlich mit einer Stellungnahmefrist.
3. Prüfung Gläubiger können die Versagung beantragen, wenn sie Versagungsgründe geltend machen. Ohne solche Anträge steht der Erteilung regelmäßig nichts im Weg.
4. Beschluss Das Gericht erteilt die Restschuldbefreiung – oder versagt sie, wenn Versagungsgründe vorliegen.
5. Bekanntmachung Der Beschluss wird öffentlich bekannt gemacht, üblicherweise im Internetportal der Insolvenzbekanntmachungen.
6. Rechtskraft Gegen den Beschluss ist die sofortige Beschwerde möglich. Sie ist binnen zwei Wochen einzulegen. Läuft die Frist ungenutzt ab, wird der Beschluss rechtskräftig.

Wie lange dauert es bis zum Beschluss?

Das Gesetz legt keine Frist fest, binnen derer das Gericht entscheiden muss. Erfahrungsgemäß liegen zwischen dem Ende der Abtretungsfrist und dem Beschluss einige Wochen bis wenige Monate. Wie lang es im Einzelfall dauert, hängt vor allem von diesen Faktoren ab:

  • der Auslastung des Insolvenzgerichts und der Arbeitsweise des zuständigen Rechtspflegers,
  • der Zahl der Gläubiger, denen rechtliches Gehör gewährt werden muss,
  • der Länge der Stellungnahmefrist, die das Gericht für die Anhörung setzt,
  • etwaigen Versagungsanträgen, die das Gericht erst prüfen muss.

Auch wenn der Beschluss erst später ergeht: Eine nach § 300 InsO erteilte Restschuldbefreiung gilt als mit Ablauf der Abtretungsfrist erteilt (§ 300 Abs. 1 Satz 3 InsO). Die Wartezeit ändert also nichts am Zeitpunkt, ab dem die Schuldenfreiheit rechtlich eintritt.

Vorzeitige Restschuldbefreiung: Wann geht es schneller?

In bestimmten Konstellationen müssen Sie das Ende der Abtretungsfrist nicht abwarten. Nach § 300 Abs. 2 InsO entscheidet das Gericht auf Ihren Antrag schon früher, wenn

  • im Insolvenzverfahren keine Forderungen angemeldet wurden oder die Insolvenzforderungen befriedigt worden sind, und
  • Sie die Kosten des Verfahrens und die sonstigen Masseverbindlichkeiten berichtigt haben.

Das Vorliegen dieser Voraussetzungen müssen Sie glaubhaft machen. Auch bei der vorzeitigen Entscheidung werden die Beteiligten zuvor angehört, sodass ein Beschluss nicht „über Nacht“ ergeht.

Wenn der Beschluss auf sich warten lässt

Vergehen nach dem Fristende mehrere Monate ohne Nachricht, ist das nicht automatisch ein schlechtes Zeichen. Oft liegt es schlicht an der Geschäftslage des Gerichts. Sie können aber aktiv werden:

  • Fristende notieren und Akte prüfen: Berechnen Sie das Ende der Abtretungsfrist anhand Ihres Eröffnungsbeschlusses.
  • Beim Gericht nachfragen: Eine schriftliche Statusanfrage unter Angabe des Aktenzeichens ist zulässig. Fragen Sie, ob die Anhörung bereits eingeleitet wurde und ob Gläubiger Anträge gestellt haben.
  • Post und Fristen ernst nehmen: Fordert das Gericht Sie zur Stellungnahme auf, sollten Sie fristgerecht antworten.
  • Anwaltlichen Rat einholen: Insbesondere bei Versagungsanträgen von Gläubigern ist rechtliche Unterstützung sinnvoll, denn hier entscheidet sich, ob die Schuldenfreiheit gelingt.

Was nach dem Beschluss gilt

Mit der Erteilung der Restschuldbefreiung wirkt die Schuldenfreiheit nach § 301 InsO gegenüber allen Insolvenzgläubigern, auch gegenüber solchen, die ihre Forderungen nicht angemeldet haben. Ausnahmen regelt § 302 InsO. Nicht von der Restschuldbefreiung erfasst sind insbesondere:

  • Verbindlichkeiten aus vorsätzlich begangener unerlaubter Handlung (sofern der Gläubiger sie unter Angabe dieses Rechtsgrundes angemeldet hat),
  • Geldstrafen und gleichgestellte Verbindlichkeiten,
  • Unterhaltsrückstände, die auf einer vorsätzlichen Pflichtverletzung beruhen,
  • Steuerschulden, wenn der Schuldner wegen einer Steuerstraftat rechtskräftig verurteilt wurde,
  • zinslose Darlehen, die zur Begleichung der Verfahrenskosten gewährt wurden.

Auch nach dem Beschluss ist ein Widerruf nach § 303 InsO in engen Grenzen möglich, nämlich wenn sich nachträglich herausstellt, dass Sie eine Obliegenheit vorsätzlich verletzt und dadurch die Befriedigung der Gläubiger erheblich beeinträchtigt haben. Der Antrag muss binnen eines Jahres nach Rechtskraft der Erteilung gestellt werden.

Wirtschaftlich spürbar ist der Neuanfang häufig bei der Bonität: Nach aktueller Praxis wird der Eintrag zur erteilten Restschuldbefreiung bei den Auskunfteien nach rund sechs Monaten gelöscht.

Prüfen Sie Ihre Selbstauskunft und verlangen Sie bei Bedarf die Löschung veralteter Einträge.

Häufig gestellte Fragen

Wann kommt der Bescheid zur Restschuldbefreiung?

Das Gericht entscheidet nach dem Ende der Abtretungsfrist per Beschluss. Eine gesetzliche Frist gibt es nicht; in der Praxis dauert es häufig einige Wochen bis wenige Monate, abhängig von Gericht, Gläubigerzahl und Anhörungsfrist.

In der Regel nein. Der Antrag auf Restschuldbefreiung, den Sie zu Beginn des Verfahrens gestellt haben, ist Grundlage der Entscheidung. Einen gesonderten Antrag brauchen Sie nur, wenn Sie eine vorzeitige Entscheidung nach § 300 Abs. 2 InsO erreichen möchten.

Rechtlich gilt die Restschuldbefreiung als mit Ablauf der Abtretungsfrist erteilt. Praktisch sollten Sie sich aber auf den Beschluss und dessen Rechtskraft stützen, etwa wenn Sie Gläubigern oder Auskunfteien gegenüber auftreten.

Das Gericht macht den Beschluss öffentlich bekannt, üblicherweise über das Portal der Insolvenzbekanntmachungen. Zusätzlich erhalten Verfahrensbeteiligte in der Regel Post vom Gericht. Wenn Sie lange nichts hören, fragen Sie unter Angabe des Aktenzeichens nach.

Dann prüft das Gericht, ob ein Versagungsgrund vorliegt, etwa nach §§ 290 oder 296 InsO. Sie erhalten Gelegenheit zur Stellungnahme. Gerade in dieser Phase empfiehlt sich anwaltliche Unterstützung, weil die Erteilung der Restschuldbefreiung auf dem Spiel steht.

Ja. Gegen den Beschluss steht dem Schuldner und jedem Gläubiger, der die Versagung beantragt hat, die sofortige Beschwerde zu. Sie ist innerhalb von zwei Wochen einzulegen. Prüfen Sie die Frist daher sofort, wenn Sie einen für Sie nachteiligen Beschluss erhalten.

Nach aktueller Praxis wird der Eintrag zur erteilten Restschuldbefreiung rund sechs Monate nach Erteilung gelöscht. Bestehen alte Forderungseinträge fort, werden sie mit einem Erledigungsvermerk versehen. Fordern Sie Ihre Selbstauskunft an und lassen Sie überholte Einträge löschen.

Nein. Ausgenommen sind unter anderem Verbindlichkeiten aus vorsätzlich begangenen unerlaubten Handlungen, Geldstrafen, bestimmte Unterhaltsrückstände und Steuerschulden nach einer Steuerstraftat.

Teilen

Inhalt

Verwandte Beiträge

vermögensübertragung vor privatinsolvenz
Die Privatinsolvenz steht natürlichen Personen ohne aktive selbständige Tätigkeit offen. Voraussetzungen sind Zahlungsunfähigkeit, ein gescheiterter außergerichtlicher Einigungsversuch und ein vollständiger Antrag. Der Beitrag erklärt Ablauf und Fristen....
was passiert bei einer zwangsvollstreckung
Die Zwangsvollstreckung ist das schärfste Instrument des Gläubigers zur Durchsetzung offener Forderungen. Sie setzt stets einen vollstreckbaren Titel voraus. Dem Schuldner stehen gesetzliche Schutzrechte zu: Pfändungsfreigrenzen, unpfändbare Gegenstände und das Pfändungsschutzkonto....
wie läuft eine insolvenz ab unternehmen
Steht Ihrem Unternehmen die Insolvenz bevor? Erfahren Sie in unserem Leitfaden, wie eine Unternehmensinsolvenz konkret abläuft – von den rechtlichen Gründen über die Antragsstellung bis zur Abwicklung oder Sanierung. Wir erklären die...